Margot vs Lily – Content-Marketing Best Practice von Nike Women

Ich bin beim Horizont über die Kampagne “Better for it” von Nike Women gestolpert. Besser gesagt auf die kleine YouTube-Serie “Margot vs Lily“. Mit dieser durchaus amüsanten Serie, will Nike seine Verkaufszahlen im Frauensegment steigern und geht gleich dort auf Kundenfang, wo sich die jungen Frauen eh zum Großteil aufhalten: Auf YouTube.

Im Mittelpunkt steht eine Wette zwischen zwei ungleichen Schwestern

In “Margot vs Lily” geht es um zwei ungleiche Schwestern. Nicht nur, was das Aussehen angeht, sondern auch Soziales Leben und die natürlich vor allem die Sportlichkeit. Lily betreibt einen eigenen YouTube-Fitness-Kanal mit knapp 1.000.000 Abonnenten, was sich aber nicht unbedingt auf ihr Sozialleben auswirkt. Freunde hat sie keine. Margot machte bis vor kurzem Social Media (oder zumindest Kommunikation, das wird nicht ganz klar) für eine Buchhaltungssoftware-Firma. Bis sie gefeuert wurde, weil sie “was gemeines” über den CEO getwittert hatte – versehentlich über den Firmenaccount. Es kommt es zu einer Wette zwischen den Schwestern: Margot muss einen eigenen Fitness-Channel starten und mindestens 1.000 Abonnenten finden und Lily mindestens drei echte Freunde – keine Fans, keine Typen, die mit ihr ins Bett wollen.

Kein aufdringliches Product-Placement

Die ersten beiden Episoden dauern 8 1/2 und 6 1/2 Minuten, sind wirklich kurzweilig und – wie schon am Anfang geschrieben – durchaus amüsant. Das Product-Placement ist sichtbar (warum auch nicht), aber nicht aufdringlich. Natürlich tragen die Darsteller Nike-Sportklamotten (aber nicht ständig) und natürlich gibt es auch mal eine Szene, in der der Nike-Schuh mit dem Swoosh “ganz zufällig” plötzlich ziemlich groß im Bild gezeigt wird. Aber ich finde, dass die Gratwanderung trotzdem sehr gut gelungen ist. Und, nicht nur mich scheint es zu amüsieren: Die erste Folge hat inzwischen schon über fünf Millionen Aufrufe.

Kampagnenseite mit den Outfits und Trainingstipps

Hinter der Serie stecken laut Horizont Alfonso Gomez-Rejon (war mal mit “American Horror Story” für den Emmy nominiert), Tricia Brock, die schon unter anderem bei “The Walking Dead”, “Grey’s Anatomy” oder “Breaking Bad” Regie führte, und Wieden + Kennedy Portland, die Lead-Agentur von Nike. Jede Woche wird eine Folge veröffentlicht (Start war der 01. Februar) und neben der Serie gibt es eine eigene Kampagnenseiten, auf der die entsprechenden Outfits vorgestellt und natürlich auch gleich verkauft werden. Zusätzlich gibt es noch ein bisschen Content drum herum, wie Workout- und Motivationstipps.

Screenshot Nike Better For It
Auf der Kampagnenseite gibt es Trainingstipps, Hinweise auf die Nike+ App und natürlich Nike-Klamotten zum Shoppen.

Warum nicht mal Budget umschichten?

Eine Runde Sache, was Content-Marketing angeht. Die Serie ist gut produziert, kurzweilig, amüsant und macht Lust weiterzuschauen. Und hey, dabei bin ich gar nicht mal die Zielgruppe. Was natürlich wieder problematisch für die Conversions von Nike ist – weil kaufen werde ich mir von den Outfits eher keins (aber immerhin erzähl ich euch davon). 😉

Natürlich steckt da einiges an Kohle hinter. Und natürlich kann sich das nicht jeder leisten. Wer hat schon so riesige Budgets wie ein Welt-Konzern wie Nike? Aber hey, vielleicht wagt man sich ja auch einfach mal, ein Jahr auf einen neuen Werbespot zu verzichten und das Geld dafür eher in so etwas zu stecken? Wäre mal an der Zeit. Wer schaut denn heutzutage noch aufmerksam Werbeblocks?

Screenshot Nike Women Better for it
Am Ende soll es ja zu Conversions führen: Die Outfits gibt’s natürlich zu kaufen.

 

Geschichten um das Produkt herum erzählen

So oder so ist ein schönes Beispiel, das zeigt, wo es hingehen kann. Wie man Geschichten rund um sein Produkt erzählen kann, das Produkt interessant machen kann ohne groß das Produkt selbst anzupreisen. Das einzige, was sich von außen leider schlecht beantworten lässt, ist die Frage, ob die Kampagne am Ende funktioniert hat – die Zahlen muss Nike am Ende lesen und mit den gesetzten Zielen vergleichen.

 

Links zur Kampagne:

Neuer Satelliten-Terminal am Flughafen München

Am 26.04.16 eröffnet der neue Satelliten-Terminal am Flughafen München. Zur Zeit wird daran noch kräftig gebaut und darin kräftig geprobt. Denn wenn er erst mal eröffnet ist, sollten die Arbeitsabläufe der Mitarbeiter passen und die Passagiere sich zurecht finden. Damit unter einigermaßen reellen Bedingungen geübt werden kann, laufen an bestimmten Tagen nicht nur Mitarbeiter über die Baustelle, sondern auch Probepassagiere.

Bei so einem “Probebetrieb” dürften am letzten Dienstag neben der Presse auch ein paar Blogger auf Einladung des Flughafen Münchens teilnehmen. Während die Probepassagiere nicht filmen oder fotografieren dürften, liefen bei uns die Akkus heiß. Wirklich spannend, einmal hinter die Kulissen zu schauen. Und wann hat man schon mal die Gelegenheit an einem Flughafen im Sicherheitsbereich hin und her zu marschieren?

Vor dem Lufthansa CheckIn Schalter
Leider nur “gespielt”: Check-In zum Flug LH4302 nach Chicago.

Der neue Satelliten-Terminal ist nötig geworden, weil immer mehr Passagiere über den Münchner Flughafen fliegen. Die Lufthansa sieht München außerdem als zweiten Hub nach Frankfurt (wer braucht schon BER?). Am neuen Terminal können alle Flugzeuge direkt bestiegen werden, die lästigen Busfahrten entfallen. Ein wirklicher Fortschritt. Verbunden wird er übrigens mit einer Art U-Bahn, die vom Terminal 2 rüber fahren wird (die war aber leider noch nicht fertig).

Was mir neben den Blick hinter die Kulissen noch sehr gut gefallen hat, war, wie der Flughafen München mit dem Content umgegangen ist, der von uns Social Media Fuzzis produziert wurde. So stellt man sich eine gute Zusammenarbeit zwischen Bloggern und Unternemen/Veranstalter vor. Nicht nur, dass es extra eine Ansprechperson für uns gab, die uns begleitete, sondern auch das “drumherum” passte. Im Vorhinein wurden wir schon per Twitter “angekündigt”, unsere Tweets, Bilder und Videos geteilt, auf die Snaps hingewiesen und natürlich ganz normal über die Kanäle kommuniziert. Im Gegensatz zur Lufthansa übrigens, die gemeinsam mit dem Flughafen den Terminal baut.

Und da ich ja derzeit ein großer Fan von Snapchat bin, habe ich natürlich meinen Tag am Flughafen MUC mit Snaps festgehalten. Vielleicht waren es ein paar Snaps zu viel (ihr seht selbst, die Story ist letztendlich 7 1/2 Minuten lang), aber ich bin ja noch am Ausprobieren, was man damit so alles anstellen kann. Letztendlich haben über 50 % meiner Follower die Story bis zum letzten Snap gesehen und ich habe durchaus ein paar neue Follower dazu gewonnen – auch, weil es von anderen Snapchattern “Anschau-Empfehlungen” für meine Story gab.

Noch ein paar mehr Fakten und was sonst noch so beim Probebetrieb passiert ist, findet ihr übrigens beim fernwehblog und noch mehr Fotos hat der Götz auf Flickr gepackt.

“Ich finde, es ist ein cooler Weg Momente zu teilen” – was ein Teenager von #Snapchat hält

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich etwas intensiver mit Snapchat. Erst eher “undercover” und seit Sommer letzten Jahres auch “offiziell”. Snapchat ist im Moment das Netzwerk, dem am meisten Potential zugeschrieben wird, dem großen Facebook ans Bein zu pinkeln.

Nicht umsonst hatte Mark Zuckerberg schon vor einiger Zeit den beiden Gründern 3 Milliarden Dollar geboten, um das Netzwerk (wie zum Beispiel Whatsapp) unter das Facebook-Dach zu holen. Sie lehnten ab. Die Eier muss man erst mal haben. Ich glaube, ich würde längst auf den Antillen chillen.

Snapchat ist (noch) ein sehr junges Netzwerk. Im zweiten Quartal 2015 waren laut Statista über 50 Prozent der Nutzer 16 bis 24 Jahre und über 30 Prozent 25 bis 34 Jahre alt. Doch die ältere Altersgruppe wächst. Vor allem in den USA.

Pro Tag werden von 100 Millionen täglich aktiven Nutzern über sechs Milliarden Videos geschaut und pro Sekunde mehr als 20.000 Fotos geteilt. Nur zum Vergleich: Bei Facebook sind es bei einer Milliarde täglichen Nutzern acht Milliarden Views. Wer noch mehr Zahlen haben will, schaut einfach mal entweder bei Björn oder DMR vorbei.

Da ich ja nun nicht mehr ganz zur Haupt-Nutzergruppe zähle (die 24 hab ich leider schon ein oder zwei Tage hinter mir) und euch viel über die Nutzung von Snapchat erzählen könnte, habe ich mir gedacht, ich frage mal jemanden aus der Kerngruppe.

Flo heißt bei Snapchat “fg6scl”, ist 17 und ich habe ihn letztes Jahr bei der Social Media Begleitung des Weltcups in Saalbach kennengelernt. Da snappte er schon fleißig, wo wir “alten” noch twitterten oder instagram-Bilder schossen.

Was hält die Kerngruppe von Snapchat? Wie nutzt sie das Tool? Das und mehr habe ich ihn jetzt einfach mal gefragt.

Snapcode Flo
Wer bei Snapchat ist, braucht nur den Snapcode zu scannen…

 

Seit wann bist du bei Snapchat?

Ich nutze es seit etwa 2 Jahren.

Wie bist du auf Snapchat aufmerksam geworden?

Einige meiner Freunde haben es schon vor mir genutzt, darum wollte ich es auch mal ausprobieren. Da ich es seit 2 Jahren nutze, hat es mir anscheinend gefallen. 😉

Was ist das besondere daran?

Sehr cool finde ich das Format mit der maximalen Anzeigedauer von 10 Sekunden. Das macht es auf jeden Fall amüsanter, weil man sich auch mal traut humorvolle Fotos zu versenden ohne dass sie irgendwo gespeichert sind. Zumindest nicht bei den Snappartnern.

Wofür nutzt du Snapchat hauptsächlich?

Grundsätzlich um lustige Sachen, die ich irgendwo sehe, mit meinen Freunden zu teilen. Wenn mir langweilig ist, schaue ich mir gerne die Stories durch, da ist auch oft was zum Schmunzeln dabei.

Wie oft nutzt du es?

Täglich.

Wie wird es in deinem Freundeskreis genutzt?

In erster Linie wird es genutzt um anderen zu zeigen wo man gerade ist oder was man gerade lustiges macht. Andernfalls als Zeitvertreib bei extremer Langeweile, in der Schule zum Beispiel. 😉

Warum sollten noch viel mehr Menschen es nutzen?

Ich finde es ist einfach ein cooler Weg Momente zu teilen. Klar, das geht bei Facebook, Twitter und Co natürlich auch, aber das Format mit der Anzeigedauer von maximal 10 Sekunden macht’s irgendwie ein weniger interessanter.

Folgst du eher vielen oder ausgesuchten Nutzern?

Grundsätzlich adde ich keine Nutzer, die ich nicht zumindest vom Sehen kenne, dennoch habe ich eigentlich sehr viele Kontakte auf Snapchat. Etwa 140.

Wem sollte man unbedingt folgen und warum?

Ein ganz heißer Tipp ist die NFL (@nfl), also die National Football League. Hier bekommt man an jedem Spieltag einen Einblick hinter die Kulissen eines Footballspiels. Auch die Spieler selbst stellen dort gelegentlich Snaps rein.

David Alaba (@da_twentyseven) ist auch ein Muss. Lachgarantie!

Vitaly Zdorovetskiy (@vitalyzdtv) ist auch ein guter Vorschlag. Das ist der Herr, der 2014 beim WM-Finale den Flitzer gemacht hat. 😉

Was fehlt dir bei Snapchat?

Ein wenig mehr Sicherheit bzw. Datenschutz wäre top. Screenshots sollten so gut es geht vermieden werden können.

Was würdest du von einem Unternehmen erwarten, das auf Snapchat ist?

Werbung ist ein No Go. Ein Unternehmen sollte einen Blick hinter die Kulissen gewähren und zeigen wie gearbeitet wird. Gelegentliche Giveaways oder ähnliches finde ich auch cool.

Was sollte ein Account im Allgemeinen bieten, damit du ihm folgen würdest?

Sobald er mich zum Lachen bringt, hat ein Account schon gewonnen.

Danke für das Interview!

 

Wer noch ein paar Accounts zum Folgen sucht: Schaut doch zum Beispiel mal bei Snapchat.codes oder auch in der Snapchat Marketing Gruppe bei Facebook vorbei.

Welche Snapchat-Accounts sind für euch ein absolutes Muss? Hinterlasst mir einen Kommentar oder snapt mir eure Lieblingsaccounts – gerne auch mit euren eigenen.

Profilbild ändern ist sinnlos, Fahnen auf Halbmast aber nicht?

Das Ändern des Profilbilds als Ausdruck des Mitgefühls, Zusammenhalts, der Trauer. So sehen es viele. Andere regen sich darüber auf. Damit würde man die Welt doch nicht retten und schon gar nicht den Terror bekämpfen. Warum dürfen nur Sportler Trauerflor tragen? Warum dürfen nur staatliche Institutionen die Flagge auf Halbmast setzen? Was ist mit denen, die Vorort Blumen niederlegen, Kerzen anzünden? Höre ich da jemanden sarkastisch rufen: “Blume niedergelegt, Terror-Problem gelöst”? Zum Glück nicht.

Es ist immer einfach, den Zeigefinger zu erheben und anderen zu erklären, dass das doch das Problem nicht löse. Ja, vielleicht löst es das Problem nicht. Vielleicht brauchen wir noch viel mehr Menschen, die sich politisch engagieren. Die etwas für Flüchtlinge tun, Integration, Aufklärung, Dialog – was auch immer. Aber wird das Problem damit gelöst, dass wir uns gegenseitig kritisieren und uns wegen eines Profilbilds aufregen?

Meme zur Profilbildänderung
Meme erstellt. Problem gelöst?

Ein erhobener Zeigefinger bringt auch nichts. Überhaupt nichts. Nicht labern, machen. Mit gutem Beispiel vorausgehen. Zeigen, was jetzt richtig wäre. Im Moment wird viel darüber diskutiert, was jetzt richtig wäre. Ich weiß zur Zeit keine Lösung. Wenn diese “Moralapostel” (es ist irgendwie nicht das richtige Wort dafür, ist zu negativ besetzt, so negativ will ich aber eigentlich nicht sein – mir fällt aber auch kein anderes Wort dafür ein) die Lösung parat haben: Super, immer her damit! Ich weiß nur, dass es nicht die richtige Lösung sein kann, jetzt so weiter zu machen, wie es in den letzten Jahren, ja Jahrzehnten passiert ist: Da ist jemand “böse”, also schicken wir mal das Militär hin, bomben alles kaputt, versuchen ihnen unseren westlichen Lebensstil, unsere Werte von Moral und Demokratie aufzudrücken und dann verschwinden wir wieder. Das hat im Irak beim ersten Mal nicht funktioniert, das hat in Afghanistan nicht funktioniert, das hat im Irak beim zweiten Mal nicht funktioniert und es funktioniert offensichtlich in Syrien auch nicht.

Es hat mich erschrocken – und es lief mir eiskalt den Rücken hinunter -, als Hollande am Freitag Abend von einem “Kriegsakt” sprach. Zu dem Zeitpunkt sollte jedem klar gewesen sein, was die logische Folge sein wird: Bomben auf Syrien, in späterer Folge vielleicht auch gleich noch Bodentruppen, die gegen die Terroristen kämpfen und das Land “befrieden”. Militärisch gesehen, kann ich die Reaktion natürlich verstehen: “Wir wurden angegriffen, also schlagen wir zurück!” Aber vielleicht ist genau das die falsche Antwort. Vielleicht sollten wir endlich anfangen, aus unseren Fehlern zu lernen.

Nach Jahrzehnte langem, ja eigentlich Jahrhunderte langem nebeneinander her leben, sollten wir endlich anfangen mit der muslimischen Welt in einen echten und ehrlichen Dialog zu treten. Einen Dialog, in dem es nicht nur darum geht, wer von wem Öl bekommt und wie viel und wohin Panzer geliefert werden dürfen und wohin nicht. Wir brauchen eine Annäherung und ein Umdenken. Ein Miteinander.

Facebook-Profilbild schneeengel
Auch ich hab mein Profilbild geändert.

Und das Miteinander fängt im Kleinen bei uns an: Hört auf damit, andere zu kritisieren, weil sie ihr Profilbild ändern. Auch wenn sie damit nicht die Welt ändern und den Terror beenden (was eigentlich auch nicht die Aufgabe der Bevölkerung sein sollte), sie setzen damit ein Zeichen. Ein Zeichen der Solidarität. Der Trauer. Des Mitgefühls. Des “Nicht-Allein-Seins”. Es ist doch niemand gezwungen, sein Profilbild zu wechseln. Wer es nicht machen will, macht es einfach nicht. Wer seine Solidarität (oder was auch immer) mit einem anderen Motiv ausdrücken will, der macht es einfach.

Und ganz ehrlich: Ich lasse mich sicher nicht dafür kritisieren, dass ich mein Profilbild getauscht habe bzw. dass ich einen Filter drüber gelegt habe. Für mich war es zu dem Zeitpunkt ein Zeichen der Solidarität mit einem Land, in dem ich schon sehr oft war, von klein auf. An das ich sehr viele, gute Erinnerungen habe. Wir zeigen viel zu selten unsere Solidarität. Warum nicht einfach in so einer Situation?

Posting bei Facebook
Zeigefinger nach oben. Problem gelöst?

Auch wenn ich als Zeitsoldat “nur” beim Bundeswehr-Radio in Afghanistan war, war ich bereit für mein Land mein Leben zu riskieren. Ich war bereit das höchste Gut, das ich habe – mein Leben – dafür zu geben, dass in einem kriegsgebeutelten Land wieder etwas Normalität einziehen kann. Egal, ob der Einmarsch der Amerikaner damals gerechtfertigt und sinnvoll war. Egal, ob es sinnvoll war, die Bundeswehr dann wieder abzuziehen und das Land wieder sich selbst zu überlassen. Ich habe ein Land kennengelernt, das einmal wunderschön gewesen sein muss. Beeindruckend. Voller Leben. Ich habe sehr gastfreundliche und nette Menschen kennengelernt. Mit Menschen auf Deutsch auf der Straße geredet, mir von einem Afghanen, der im Exil in Berlin gelebt hatte, den Weg erklären lassen. Menschen, die sich nach Frieden und Ruhe sehnen. Nach einem normalen Leben. Ohne Angst.

 

Kabul 2006
Mit der Nato Zeitung verteilen in der Nähe von Kabul. (2006)

Wenn man sich Afghanistan heute – bald 10 Jahre nach meinem Einsatz anschaut, stimmt es mich traurig zu sehen, dass der Dienst dort eigentlich wohl vergebens war. Dass es umsonst war, sich dem Risiko auszusetzen. Und wahrscheinlich stehe ich deswegen auch den ganzen Militäreinsätzen jetzt kritisch gegenüber. Ich habe mein Leben dafür riskiert, dass das Land wieder sich selbst überlassen wird. Dem Terror. Der Unterdrückung.

Hollande schickt französische Soldaten nach Syrien, als Antwort auf die Anschläge in Paris. Erst einmal mit Bombern, aber wohl sehr bald auch mit Bodentruppen und der Unterstützung durch die EU. Da riskieren wieder Menschen ihr Leben. Da sind Menschen bereit zu sterben. Da sterben Menschen. Da sind Menschen gestorben. Neben denen, die dieses Risiko aus Überzeugung auf sich nehmen, noch viel mehr, die eigentlich überhaupt nichts dafür können. Die einfach nur nicht das Glück hatten, in einem Land geboren zu sein, in dem Terror, Krieg, Verfolgung, Folter etc. nicht zur Tagesordnung gehören. Lasst uns das doch nicht für die Fische sein.

Wer ist mein digitaler #Zugvogel? #Blogparade

klaus hat im pr-blogger zur blogparade aufgerufen. die frage ist, wer der persönliche (digitale) zugvogel ist. ich habe jetzt eine weile nachgedacht, ob ich mich wirklich auf einen beschränken kann und bin zu dem schluss gekommen, dass ich es nicht kann. ist ja aber auch nicht schlimm. ist ja genug platz im blog. 😉

die ersten zugvögel, die mir einfielen, waren eigentlich die autoren des cluetrain manifesto, rick levine, christopher locke, doc searls und david weinberger (den ich bei der reboot11 sogar persönlich kennen lernen durfte, danke ton noch mal dafür). das buch hat mein verständnis und auch mein verhältnis zum internet und zum späteren social web nachhaltig geprägt (auch wenn ich das buch erst knapp 10 jahre nach veröffentlichung gelesen habe). “markets are conversations” prägt meine herangehensweise ans social web und die markenkommunikation bis heute. auch wenn das buch aus dem jahr 1999 ist, kann ich jedem empfehlen, das buch einmal zu lesen.

ein weiterer zugvogel ist ganz klar heinz. vor allem im bereich der lehre und forschung, aber auch persönlich. letztlich hat er mich vor inzwischen mehr als sieben jahren auf diesen damals doch schon verwirrend wirkenden dienst “twitter” gestoßen. wir mussten damals im rahmen einer seiner vorlesungen einen account anlegen und twittern. man kann darüber streiten, ob ein zwang nun der richtige ansatz ist oder nicht, aber ich bin hängen geblieben. im gegensatz vieler meiner studienkollegen und -kolleginnen. aber das macht ja nix. muss ja nicht jede/r dabei sein! 🙂

in sachen blog und vermarktung seines blogs gehört auf jeden fall auch robert mit auf die liste. ich verfolge ihn schon lange und habe mich riesig gefreut, als ich ihn “damals” beim almcamp auch mal persönlich kennen lernen durfte (dafür blieb ich sogar extra lange wach..;). seitdem freue ich mich jedes mal, wenn ich ihn bei irgendeiner dieser social media gedöns veranstaltungen treffe.

und wenn wir schon bei bloggern sind, muss ich auch noch einen nennen, den ich schon lange im feed-reader habe und dessen storys ich immer wieder feiere: mc winkel. der winkelsen hat’s einfach geschafft und unterhält mich auf allen kanälen immer wieder. auch der hat eine nennung verdient, wenn es um meinen zugvogel geht.

als apple fan-boy darf auch ein zugvogel nicht fehlen: steve jobs. ich glaube, zu ihm muss man nicht mehr viel sagen.

und zum abschluss muss ich auch noch einen zugvogel nennen, der seit oktober (wieder) mein chef ist: klaus. und nein, das schreibe ich jetzt nicht nur, weil er mein chef ist. letztendlich hat klaus mir damals bei meinem praktikum geholfen, meine social media ambitionen zu professionalisieren. davor war’s doch mehr eine spielwiese zum ausprobieren. klaus hat mir geholfen, dieses ganze internetz aus einer beruflichen sicht näher zu bringen. ohne klaus wäre ich sicher nicht bei stiegl gelandet. und das war sicher einer meiner besten entscheidungen in den letzten jahren.

so – und wer ist euer digitaler zugvogel?
bis morgen könnt ihr noch bei der blogparade mitmachen. aber ich glaube, klaus lässt auch noch beiträge zu, die danach veröffentlicht werden… 😉

Zeit für Veränderung: Aus dem Stieglman wird wieder der schneeengel.

es ist zeit, die katze aus dem sack zu lassen. ein paar habe ich es schon persönlich erzählt, alle anderen können es jetzt hier erfahren: meine zeit bei stiegl neigt sich dem ende. ich werde ab dem 01.10. einen neuen job antreten. in einer “neuen” stadt.

nach fast genau vier jahren – was im social media bereich eine lange zeit ist – ist nun die zeit gekommen, weiterzuziehen, neue herausforderungen zu meistern und sich auch mal wieder ein bisschen zu verändern. doch bevor ich euch verrate, wo ihr mich künftig finden werdet, möchte ich die vergangenen jahre bei stiegl noch revue passieren lassen.

ich habe die online-agenden der stieglbrauerei im september 2011 übernommen und die privatbrauerei zu einer der führenden social media brauereien im deutschsprachigen raum aufgebaut. gerade erst letzte woche waren wir im braumonitor wieder mal auf der eins, vor so “großen” namen wie warsteiner, astra, beck’s oder auch krombacher. man kann von solchen rankings halten, was man will (ich bin selbst kein großer fan davon) – ein bisschen was sagen sie ja dann doch aus, gerade, weil es dort nicht um die pure anzahl an likes geht.

Screenshot Braumonitor
gar nicht so selten steht stiegl auf der 1

wenn man die pure like-zahl trotzdem heranziehen möchte: als ich die stiegl-facebookseite übernommen habe, zählte sie 37.000 likes, jetzt sind es fast fünf mal so viel: knappe 180.000. wir haben bei facebook viel ausprobieren können, von lustigen apps, wie dem stiegl-biertyp oder auch der stiegln-app, spielen, wie dem stiegl-noriker-game oder auch der ersten mobilfähigen fb-app, dem stiegl-maibaumstehlen im jahr 2012. als aktuelles beispiel darf man natürlich auch den #stieglmoment nicht vergessen, der wirklich gut läuft. im ersten monat hatten wir bereits fast 600 bilder und über 6.000 unique user in der app.

facebook war in sachen social media immer unser hauptkanal, wenn es um die kundenkommunikation ging. naja, kein wunder, immerhin sind unsere kunden da schließlich auch zu hauf vertreten. nichts desto trotz habe ich natürlich auch auf anderen kanälen mein unwesen getrieben und geschaut, was man für stiegl dort raus holen kann. twitter war da lange die nummer zwei hinter facebook. es war zwar weniger wichtig für die kommunikation mit den österreichischen endkonsumenten, aber sehr interessant, um mit unseren fans in den usa und kanada in kontakt zu kommen. allerdings reden wir hier von ganz anderen zahlen: den twitter-account habe ich bei rund 400 followern übernommen und jetzt haben wir es mit etwas mehr als 3.000 followern zu tun. wobei man sagen muss, dass wir seit letztem monat mit twitter-ads rund 1.000 follower dazu gewonnen haben.

immer wichtiger für die markenkommunikation ist instagram geworden. bei instagram gibt es inzwischen über 20.000 fotos, die mit dem hashtag #stiegl versehen sind, ohne dass wir das in irgendeiner weise beworben hätten. die leute reden halt über marken, ob man nun dabei ist oder nicht. und wenn man dabei ist, bekommt man das wenigstens mit. auch interessant war es zu beobachten, wie sich der stiegl-grapefruit-radler in den usa nach und nach zu einer art hipster-bier entwickelt und auch, wie er dazu beigetragen hat, dass der begriff “radler” inzwischen in den usa durchaus ein begriff ist (vorher kannten die ja nur “shandy”). bei instagram reden wir auch von etwas mehr als 3.000 followern – ohne eine bewerbung über ads. vor allem die interaktionsrate bei instagram ist wirklich schön anzusehen, über 10 prozent sind mit dem richtigen foto, zur richtigen zeit eigentlich kein problem. aber eh klar: je kleiner die seite, desto höher ist meist (noch) die interaktionsrate.

ein wirklich sehr interessantes netzwerk, was im deutschsprachigen eher unbekannt ist, ist untappd. ein netzwerk bzw. eine app, über die man biere bewerten kann. diese biere kann man dann freunden empfehlen oder man kann über die app die nächste brauerei finden, sich die angesagten biere in der umgebung anschauen oder auch einfach nur schauen, welche biere die entsprechende brauerei noch so hat. auch wenn die app bei uns eher unbekannt ist, reden wir von 5.000 stiegl-bier-bewertungen im schnitt im monat. da passiert also einiges. wer als brauerei einen entsprechenden account hat, kann die biere pflegen, die richtigen bilder hinzufügen und eben auch “zuhören”, was die leute so von den bieren halten. außerdem sieht man so als österreichische brauerei, in welchen bars/restaurants z.b. in den usa stiegl getrunken wird und welches stiegl-bier bei denen besonders angesagt ist. ein nettes zusatzfeature: wer seinen twitter-account verknüpft, bekommt bei jeder öffentlichen bewertung des eigenen biers auch noch einen reply dazu – und somit auch gleich noch etwas aufmerksamkeit für den eigenen twitter-account. wer gerne bier trinkt, sollte es mal ausprobieren – ihr findet mich da als schneeengel! 😉 gerade so ein netzwerk wie untappd zeigt, dass es immer wichtig ist, auch mal über den standard-social-media-tellerrand zu blicken.

Screenshot Stiegl-Website
www.stiegl.at

ein weiterer wichtiger schritt in die richtige richtung war der relaunch unserer, in die jahre gekommenen, website. weg von der produktseite, hin zu einer seite, auf denen geschichten erzählt werden können. weg von der klassischen “das sind unsere produkte und die müsst ihr kaufen”-kommunikation auf der startseite. und vor allem weg von der 08/15 austauschbaren website, wie sie eigentlich alle mitbewerber haben. platz für rezepte mit bier. platz für videos. platz für tipps und tricks. platz für user-generated-content. platz für produkte aus dem onlineshop. sie ist sicher noch nicht perfekt, ein paar sachen müssen jetzt noch verbessert werden, aber der grundstein ist gelegt. und dieser grundstein war lange, harte arbeit. wer die website eines größeren unternehmens mal von grund auf hat neu machen lassen, der weiß, was ich meine.

ein weiteres projekt, auf das ich wirklich stolz bin, ist “stiegl-kreativ” bzw. die dunkelziffer – das erste crowdsourcing-bier. es ist nicht selbstverständlich, dass sich ein größeres unternehmen so eine crowdsourcing-geschichte traut. aber manche sachen muss man einfach mal riskieren. und das ergebnis zeigt, dass man keine angst vor der kreativität der fans haben muss. und das am ende ein richtig geiles produkt ‘raus kommen kann. natürlich haben wir gewisse rahmenbedingungen gegeben, in denen sich die nutzer dann austoben konnten, aber die über 600 kreativen namensvorschläge, haben gezeigt, dass man sie ruhig auch ein bisschen von der leine lassen kann. wenn muss man es halt konsequent durchziehen.

zu den oben genannten etwas größeren brocken kamen noch einige spannende projekte und aufgaben dazu, die ich gar nicht mehr alle aufzählen kann. unter anderem war ich öfter als haus- und hoffotograf im einsatz, konnte ein paar wirklich nette videos drehen, habe die drehs der stiegl-genusstipps, der stiegl-produktspots und der neuen image-spots begleitet und habe meinen teil zum stiegl-freundeskreis (kundenklub für stiegl-fans) beigetragen, denn dessen grundkonzept entstand aus einer idee für eine promo von meinem ex-kollegen werner und mir. oben drauf kam dann natürlich auch noch meine wahl zum onliner des jahres 2014 – für einen “deitschn” in österreich gar nicht mal so schlecht. 😉

und jetzt kann mein nachfolger oder meine nachfolgerin da weitermachen, wo ich aufgehört habe. oder alles besser machen. oder richtig machen. oder weiterentwickeln. wie auch immer. die stelle ist offiziell ausgeschrieben. also bewerbt euch! ich würde mich freuen, wenn ich die online-agenden der stieglbrauerei in gute hände übergeben kann. es steckt schließlich einiges herzblut von mir in der marke.

wie es mit mir jetzt weitergeht? ich verziehe mich nicht auf die alm. obwohl das doch durchaus mal eine überlegung war, gebe ich zu. ich mache auch keine bar auf. obwohl mich das gereizt hätte. nein, ich wandere “aus”. naja, eigentlich wandere ich “zurück”. zurück nach münchen. ab 01.10. werde ich wieder da arbeiten, wo ich vor rund 4 1/2 jahren schon mal war: bei klaus. ich freue mich drauf. ich freue mich auf die neuen herausforderungen, auf die vielen bekannten gesichter, die biergartenkultur, die stadt selbst. und was mir an münchen auch sehr gefällt: die alpen und auch rauris bleiben in schlagdistanz. ich wollte schon lange wieder zurück nach münchen. irgendwie fühlte es sich jedes mal gut an, wenn ich mal wieder auf besuch in “minga” war (auch ohne wiesn). jetzt ist die zeit reif. reif für veränderungen und neue herausforderungen.

 

mein snapcode
addet mich bei snapchat - ich freu mich! 🙂

übrigens: ich bin jetzt auch bei snapchat – ihr findet mich dort unter dem nick “rauriser”. addet mich für ein bisschen “backstage-footage”… 😉

Krisenkommunikation aus dem Jahre Schnee am Beispiel @3Oesterreich

ich hatte gestern ein problem. ab ca 18.30 uhr ging mein mobiles internet nicht. kann ja mal passieren. flugmodus an- und ausgestellt. nix. handy neu gestartet. nix. nun gut. was will man machen, wenn man unterwegs ist? erst mal nix. auf wlan zu hause warten.

zu hause dann im wlan erst mal auf der twitter-seite von meinem anbieter, 3 österreich, vorbei geschaut, ob sie da vielleicht irgendetwas von einer netzstörung kommunizieren. nix. ok. also mal angetwittert. um acht uhr abends. nix. eine stunde lang nix.

 

in der zwischenzeit mal auf ihrer facebookseite geschaut. vielleicht steht da ja was von einer netzstörung. auch nicht. hmmm. mal unter “beiträge auf der seite geschaut”. siehe da, ich war nicht allein mit dem problem. gab schon ein/zwei leute mit dem gleichen problem. reaktion von 3? null. die postings waren von halb acht uhr abends. das mobile internet war bei mir seit ca. halb sieben weg. der netzausfall ereignete sich also durchaus zu einer noch vertretbaren arbeitszeit. gerade für einen telekommunikationsdienstleister mit einem service-center. möchte man meinen.

gegen 9 uhr kam dann per twitter eine antwort. löblich. aber auch erst (vielleicht zufälligerweise), nachdem ich noch mal einen etwas schärferen tweet abgesetzt hatte. weil null kommunikation kann ich gar nicht leiden. zumindest nicht in einem krisenfall. und der ausfall des netzes, auch wenn nur in einer bestimmten region, ist für ein telekommunikationsunternehmen ein krisenfall. sollte zumindest einer sein. aber über diese definition scheiden sich anscheinend die geister.

und auf facebook? nichts. ruhe. naja. das netz ging dann auch wieder irgendwann und damit schien das problem aus der welt und fertig. problem gelöst.

heute gegen mittag bekam ich dann plötzlich die benachrichtigung, dass 3 österreich eine antwort bei facebook hinterlassen hätte. man hatte sich also doch nach 14 stunden dazu aufgerafft das ursprungsposting, das ich kommentiert hatte, zu beantworten.

ich habe dann doch mal nachgefragt, warum die antwort jetzt so lange gedauert hat und warum man nicht einfach kommuniziert hätte, dass es netzprobleme im raum salzburg gibt. hätte ich mir nämlich meinen kommentar auf das posting gespart. und den tweet auch.

warum man nicht schon früher hätte antworten können? naja. ganz logisch. es sei schließlich keine 24-stunden-betreuung der facebookseite vorgesehen. und warum man es nicht kommuniziert hätte? naja, von den wartungsarbeiten selbst hätte ja keine einschränkung ausgehen sollen.

24/7 erwartet normalerweise niemand. mach ich bei stiegl auch nicht. außer in einem krisenfall. ich möchte dieses wort nicht überstrapazieren und einen netzausfall nicht überdramatisieren. aber bitte, was ist denn ein netzausfall dann, wenn kein krisenfall für das entsprechende unternehmen? wenn ich eine frage zu einem handy oder tarif gehabt hätte. meine güte. da hätten sie mir am nächsten nachmittag antworten können. wäre zwar auch nicht gerade kundenfreundlich, aber vielleicht hätten sie wichtigere sachen zu tun gehabt – zum beispiel das netz zum laufen bringen oder so. wenn bei stiegl am abend eine frage oder ähnliches kommt, dann beantworte ich sie auch nicht mehr, wenn ich nicht mehr “im dienst” bin. aber das erste, was ich am nächsten morgen mache, ist, mir die nachrichten und postings anschauen und sie gegebenenfalls beantworten. wenn jemand ein bild auf die facebookseite postet, dann bekommt er meist ein like – das muss oft einfach genügen, um zu zeigen, dass stiegl den beitrag registriert hat und sich darüber freut. in einem krisenfall bin ich aber auch nach meiner “normalen” arbeitszeit erreichbar und kümmere mich dann drum.

doch jetzt wird die sache mit 3 österreich eigentlich erst richtig “interessant” (leider nur für die “zuschauer” und nicht aus kundensicht). als ich dann etwas forscher geantwortet hatte, ob denn um 7 uhr schon feierabend wäre und man deswegen nicht mehr geantwortet hätte, war die antwort, dass es noch postings gab, die “chronologisch eher dran waren”. ich halte kurz fest: innerhalb einer stunde vor dem posting von thomas (von ihm kam das ursprungsposting, das ich kommentiert hatte), gab es 3 postings. eines davon behandelte übrigens ebenfalls ein netzproblem (aber in wien). davor war drei stunden ruhe auf der seite. natürlich weiß ich nicht, wie viele private nachrichten 3 österreich in diesem zeitraum bekommen hab, aber das lasse ich jetzt einfach mal offen.

dann hab’ ich mir erlaubt, die frage in den raum zu werfen, ob man denn dann, wenn die chronologisch vorgereihten postings beantwortet wurden, aber dann feierabend ist, die anderen – die ja scheinbar noch in der arbeitszeit rein gekommen sind -, einfach links liegen lässt. und ich habe noch hinzugefügt, dass mir ein einfaches, öffentliches posting von 3 österreich gereicht hätte, in denen sie auf die netzprobleme hingewiesen hätten. mehr wollte ich doch gar nicht.

und dann kam der oberknüller, für den sich 3 österreich in kürzester zeit dann auch wieder entschuldigte (und den entsprechenden kommentar wieder gelöscht hat):

etwas unglückliche antwort von 3oesterreich
ich würde es in die kategorie "unglücklich" einordnen...

ich möchte hier noch einmal festhalten, dass es nicht mein ziel war/ist, 3 österreich in den schmutz zu ziehen und zu dissen. ich war bisher eigentlich immer zufrieden mit 3 österreich und der tarif, den ich habe, ist wirklich super (3 gb inet, 400 frei minuten europaweit, 1000 sms europaweit und 1.000 min österreichweit in alle netze für 20,50 euro). ich dachte, man könnte einfach von social media mensch zu social media mensch/redaktion darüber diskutieren, warum so etwas nicht offen und ehrlich aktiv kommuniziert wird, anstatt darauf zu warten, dass sich jemand beschwert. das ging weniger gegen die redaktion, viel mehr darum, warum ein telekommunikationsunternehmen scheinbar nicht genug ressourcen zur verfügung stellt, auf solche probleme zeitnah zu antworten. und dass sie dann auch noch einen ungeschulten praktikanten/mitarbeiter – ich glaube, ihn trifft die wenigste schuld – in so einem fall kommunizieren lassen, zeigt eigentlich schon ziemlich viel.

es ist ein schönes beispiel, an dem man lernen kann, wie es nicht laufen sollte. ich hoffe, nicht nur 3 österreich, sondern auch andere lernen daraus. so sollte man es sehen. nicht anders.

die antworten – bzw. die öffentliche entschuldigung – auf meinen tweet mit dem “unglücklichen” kommentar als screenshot möchte ich euch auch deshalb zum abschluss nicht vorenthalten:

 

#almwochenend – Der vierte Tag.

Das Leben ist schön in den Bergen.

der hahn kräht das erste mal. aber ich bin schon wach. danke. langsam stellt sich der körper und der kopf auf den alm-tagesrhythmus ein. heute noch einmal die ruhe genießen. die sonne das tal erobern sehen. zum frühstück früchtetee trinken und die nachrichten hören. so so, barca hat’s also geschafft. die champions league gewonnen. dann weiß ich das auch. schwere unwetter haben in einem anderen teil des pinzgaus für überschwemmungen gesorgt.

hier oben sind wir einigermaßen verschont geblieben. ein bisschen rein geregnet hat es, weil der wind ungünstig stand und die fenster nicht wirklich dicht sind. ansonsten schaut alles aus, wie immer. etwas feucht ist es noch. aber die sonne wird schon dafür sorgen, dass die holzbänke auf der terrasse wieder trocknen. buch lesen. auf die gäste warten.

heute nachmittag muss ich wieder runter ins tal. morgen ruft wieder die “normale” arbeit. aber der nachmittag ist gott sei es gedankt noch mehrere stunden entfernt.

Lumpi. Der Alm-Hund.
Lumpi.

es ist ein anderes leben auf der alm. nicht zu vergleichen mit dem leben im tal. auch nicht mit dem leben in rauris. hier oben ist ein ganz besonderer flair. in rauris ist es auch ruhig und entspannend. aber im gegensatz zu hier schon irgendwie “laut”. rauris. eigentlich gar nicht weit entfernt. “nur” auf der anderen seite vom berg. aber doch so weit weg. wie weit rauris entfernt war, als es noch keine autos gab?

es ist eine sehr romantische vorstellung, hier oben leben zu wollen. ich kann verstehen, wie dieser gedanke in dem einen oder anderen kopf brennt. einfach weg zu sein. nicht dem standardisierten leben im tal verpflichtet zu sein, sich dem leben und dem tagesrhythmus der natur anpassen.

Bach.
Bach.

gäste kommen und gehen. hier eine brettljause, da ein speckbrot. hier ein bier, da eine limo. die stunden ziehen vorbei. es ist schneller nachmittag, als mir lieb ist. es wird zeit, den rucksack wieder zu packen. die wasserflasche füllen. sich von der alm verabschieden. kathi winkt von der terrasse. jetzt bin ich derjenige, der langsam im wald verschwindet. noch ein blick zurück, dann um die kurve und die alm ist “verschwunden”. das tal kommt näher. der kopf verarbeitet die erlebnisse der letzten tage. aber so langsam kommt auch der alltag wieder ins gedächtnis.

“abstieg”. irgendwie wird mir jetzt erst so wirklich die bedeutung des wortes klar. und warum man “absteigt”, wenn man ins tal geht und “aufsteigt”, wenn es nach oben geht.

das handy bekommt wieder empfang. es vibriert in der hosentasche. die welt hat sich also auch ohne mich weitergedreht. ich hole das handy raus und starte periscope. melde mich zurück in der “zivilisation”. ich bin schneller wieder in der “normalen” welt angekommen, als mir lieb ist. doch es wird nicht der letzte rückzug sein. ich werde wieder hoch gehen. sehr bald. und ich freue mich jetzt schon drauf! das leben ist schön in den bergen.

 

hier geht’s übrigens zum dritten teil, hier zum zweiten, hier zum ersten.

#almwochenend – Der dritte Tag.

Das Leben ist laut in den Bergen.

vom hahn nicht wirklich wecken lassen. heute mal erst um 3/4 sieben aufgestanden. früchtetee und gipfel zum frühstück. mit lumpi auf den rauchkögerl. wie der es schafft, den berg auffi zu düsen? ohne unterlass. am liebsten wohl ohne pause. aber es macht ihm trotzdem sichtlich spaß.

am gipfelkreuz in der sonne gesessen. den wind durch die bäume etwas weiter unterhalb rauschen hören. den blick ins tag und gen horizont genießen. sich seines lebens erfreuen. am vormittag schon das marketing-ziel von 10.000 schritten erreicht. 9 kilometer, 400 höhenmeter. #läuftbeimir. im gipfelbuch offline digitale spuren hinterlassen. konnte es nicht sein lassen.

Panoramabild vom Gipfel des Rauchkögerls.
Panorama. Rauchkögerl. 1.810 m.

es ist samstag. eigentlich bettenwechsel. sollte nicht so viel los sein. fehleinschätzung. deutlich mehr los, als erwartet. macht nix. wenn was zu tun ist, kann noch nicht mal ansatzweise langeweile aufkommen. auch heute wieder einige brettljausen, speck- und käsebrote, bier und limonaden an die tische gebracht.

Eintrag ins Gipfelbuch mit Hinweis auf meinen Blog.
Digitale Spuren im Gipfelbuch hinterlassen.

am abend ziehen dunkle wolken auf. klingt abgedroschen. ist es auch. aber die wolken sind trotzdem dunkel. richtung tal ist noch babyblauer himmel zu sehen. vom bernkogel her grummelt es aber schon leise. gewitter ist angesagt. schwere gewitter mit hagel sogar. mal sehen, ob der wetterbericht recht behält. kathi glaubt noch nicht wirklich dran. ich schon.

das grummeln entwickelt sich langsam zu donner. durch den hall hier oben scheint das donnern kaum aufzuhören. in rauris oder gastein wird es wohl schon regnen. die ersten tropfen. ganz vereinzelt. aber es wird langsam ungemütlich draußen. wer sich vor gewittern fürchtet, dem kann ich eine almhütte bei so einem wetter nicht empfehlen. ich mag es. hat was mystisches. der erste blitz. kurze pause. dann scheint es wirklich los zu gehen. lautes donnern. gleich zwei mal hintereinander. das war’s dann jetzt wohl wirklich mit dem gemütlichen abendausklang auf der terrasse vor der hütte. es ist ja auch schon “spät”, viertel über acht.

in meinem anderen leben würde ich jetzt wahrscheinlich im bräustüberl sitzen und aufs champions league finale warten. so warte ich auf den regen. abkühlung kann nicht schaden. auch wenn es hier oben deutlich angenehmer sei, als im tal, wie die besucher zu berichten wussten.

wieder ein blitz. donner. es wird stockfinster. dann wieder taghell. ein blitz nach dem anderen. der regen prasselt auf das dach der almhütte. ob das dach wohl dicht ist? es beginnt zu stürmen. vereinzelt ein donnergrollen. aber immer wieder blitze. schon irgendwie unheimlich. in einem horrorfilm würde ich wahrscheinlich im blitzlicht auf einmal einer vor dem fenster stehen. man versucht in den kurzen momenten, in denen ein blitz für licht sorgt, draußen etwas zu erkennen. immer noch mystisch.

plötzlich. wie aus dem nichts ein donnergrollen, wie ich es noch nicht erlebt habe. so laut, dass die fenster und wände wackeln. wahnsinn. das muss man mal erlebt haben. das gewitter scheint wirklich direkt über uns zu sein. jetzt möchte ich nicht draußen sein. an schlaf ist bei dem lärm nicht wirklich zu denken. stirnlampe an. lesen. “willkommen im meer“, #einbuchfürkai. super buch. super geschrieben. hat stellenweise was von loriot. ich liebe loriot. und vor allem die figur der “mutter”.

wieder ein fulminanter donnerhall. das leben ist laut in den bergen.

 

hier geht’s übrigens zum zweiten tag, hier zum ersten, hier zum vierten.

#almwochenend – Der zweite Tag.

Das Leben ist nicht leicht in den Bergen.

die nacht ist unruhig. gegen drei bekriegen sich zwei marder vor der hütte. sie schreien jämmerlich. klingt so ähnlich, wie eine rollige katze. der hund bellt. hellwach. mit der taschenlampe die marder verjagt. wieder ins bett gelegt. zwei stunden später hat der hahn wieder seinen ersten auftritt. bis sechs noch ein bisschen dösen. aufstehen. kalte dusche. der holzofen war gestern abend nicht mehr an. kein warmes wasser. macht aber nix. jetzt bin ich wirklich wach. früchtetee und wieder zwei jaga zum frühstück.

kathi fährt ins tal. einkaufen. jetzt bin ich quasi der almöhi. ich soll aufpassen, dass der ofen nicht aus geht. verantwortung. ich sehe das auto im wald verschwinden. wehe, jetzt kommt wer und will was… vielleicht sogar einen kaffee. kaffee kochen kann ich nämlich wirklich nicht. trinke keinen. hab ich noch nie gemocht.

08 uhr, die sonne erobert langsam die alm und die ersten wanderer ziehen vorbei. gut. könnte maximal bier anbieten. aber um die uhrzeit? naja, tee könnte ich auch noch. heißes wasser steht auf dem holzofen. das feuer brennt noch.

zwei wanderer kommen den weg hinauf. man hat hier einen wunderbaren blick auf den weg. kann sich vorbereiten. in gut 10 minuten werden sie hier sein. entweder, sie wandern vorbei oder kehren ein. kathi ist auch wieder da. können also kaffee bestellen, wenn sie wollen. der ofen brennt auch noch. dafür habe ich ein lob und eine leberkas-semmel aus dem tal bekommen.

ein ereignisreicher tag. viele gäste. immer etwas los. trotzdem zeit gehabt, mit netten stammgästen über politik, wirtschaft und afghanistan zu diskutieren & philosophieren. sanitäter musste ich auch noch “spielen”, weil sich einer der gäste kopfüber in die schotterstraße verabschiedete. platzwunde an der augenbraue. geblutet wie sau. druckverband. mit dem auto von nem anderen gast ins tal gebracht worden.

Pinzgauer.
Pinzgauer treiben.

am ende des tages dürfte ich dann noch kuhhirte spielen und fünf verirrte kälber – wirklich schöne pinzgauer – richtung tal eskortieren/treiben. man glaubt gar nicht, wie widerspenstig die luder sein können. verarscht haben sie mich erst mal. “dem scheiß deitschn, dem zeigen wir’s jetzt!” bergauf. bergab. bis ich dann endlich mal das “leitkalb” raus hatte. ich bin für eine glockenpflicht. ziemlich durchgeschwitzt. aber glücklich. was für ein erfolgserlebnis.

es ist der zweite richtige tag und ich fühl mich langsam angekommen. will irgendwie gar nicht mehr weg. kennt ihr das, wenn ihr irgendwo länger im ausland seid und anfangt, in der “landessprache” zu denken? so geht’s mir. auch wenn ich weiß, dass ich immer noch red, wie ein deitscher. aber im kopf spielt sich grad alles in pinzgauerisch ab. hatte ich noch nie. bin sogar versucht, so zu schreiben. ich weiß, der versuch würde kläglich scheitern. trotzdem. ich fühle mich irgendwie assimiliert. und ich find es gut.

aussteiger-gedanken. will man hier eigentlich noch mal weg? warum sollte man das eigentlich wollen? die “normale” welt scheint so fern. das einzig hektische ist der bach, wie er ohne unterlass ins tal rauscht. keine menschenseele mehr weit und breit. nur die vögel, die zwitschern und ein paar kühe, die gemächlich am gegenüber vorbei ziehen und grasen. auf der suche nach dem perfekten futter.

die sonne geht unter. auch dieser tag ist schon wieder vorbei. die füße freuen sich. liegen. das leben ist nicht einfach “in die berg”.

 

hier geht’s übrigens zum ersten tag, hier zum dritten, hier zum vierten.