Tourismuscamp 2010 – ein erster rückblick #tc10

eine lange reise war’s. rund 10 stunden bahnfahrt liegen zwischen graz und eichstätt. hat sich die lange fahrt gelohnt? ja, das hat sie sich. inhaltlich habe ich eher weniger mitgenommen. kann ich vielleicht auch nicht mehr erwarten – einen gewissen stand habe ich inzwischen und sehe auch zu, dass ich diesen ständig halte bzw. stetig auch erhöhe. ich habe wieder viele menschen getroffen, die meisten kannte ich schon von anderen barcamps, ein paar neue sind hinzu gekommen. die persönlichen gespräche und erfahrungen sind das, was ich immer sehr an barcamps schätze und meist auch ein hauptgrund sind, warum ich zu einem barcamp fahre.

in diesem blogpost werde ich über meine haupteindrücke schreiben, auf einzelne sessions werde ich später noch eingehen.
ein thema, das beim camp immer wieder zur sprache kam: “wie kann ich kleine tourismusbetriebe dazu bewegen, sich im social media bereich zu betätigen?” allen teilnehmern war eigentlich klar, dass an social media niemand mehr vorbei kommt – gerade deswegen fand ich es wieder mal schade (wie auch schon beim castlecamp), dass so wenige (bzw. fast gar keine) “betroffene” dabei waren. der nutzen muss scheinbar noch klarer gemacht werden, die frage ist: wie? uwe meinte in seiner sehr diskussionsreichen session, in der es eigentlich um lokale informationen für destinationen gehen sollte, dass sich die betriebe einfach trauen müssten. einzelne müssten vorreiter sein und wenn sie erfolgreich sind einfach als vorzeigebeispiele dienen. benjamin hatte da einen guten grund, warum viele der betriebe sich da so schwer tun: es sind familienbetriebe. viele personen in führenden positionen sitzen dort, weil sie eben zur familie gehören. berater tun sich dort etwas schwer, weil erst eine vertrauensbasis aufgebaut werden muss – die eben nicht in ein paar tagen entsteht. eine frage, die auch aufkam ist, wie denn nun erfolg im bereich social media gemessen werden kann. im moment wird eigentlich so gut wie nichts gemessen, viele machen da etwas und spielen rum.

ich bemerke auch in rauris, dass es viele gibt, die (sehr) langsam erkennen, dass social media wichtig ist. oder sagen wir besser: die gehört haben, dass es wichtig ist, es irgendwo aufgeschnappt haben. das große problem hier ist aber, dass viele beratungsresistent sind (wie auch rainer in zell/kaprun oft feststellt.

hier ist ein umdenken gefordert, ein öffnen. an social media kommt niemand mehr vorbei. die frage ist die umsetzung.

bis auf den punkt, dass kaum ein wirklicher tourismusbetrieb (also kleine hotels etc) anwesend war. es war das übliche bild, wieder einmal ein “szene-treffen” der üblichen verdächtigen. wobei ich dabei nicht sagen will, dass es sich für mich nicht gelohnt hat. ich habe auf jeden fall neue denkansätze und ideen mit genommen, kontakte vertieft und aufgefrischt. letztlich ist auch in dieser szene das offline-treffen mehr als wichtig und essentiell.

und nein, es war kein technik-euphorisiertes nerd-camp (wenn überhaupt waren vielleicht ein paar geeks da), wie bernd denkt (anwesend war er nicht). ich frage mich bei solch einer kritik dann immer auch, warum genau diese kritiker nicht kommen. dafür sind doch barcamps da? ich glaube nicht, dass irgendwer kein interesse daran gehabt hätte, auch über die “gefahren” zu diskutieren. die leute, die anwesend waren – deren gebiet ist nun mal das web 2.0 – da diskutiert man automatisch über die neuen wege im tourismus. es streitet keiner ab, dass “klassische” werbung wie anzeigen, plakate etc. immernoch (und sicher auch weiterhin) eine relevanz haben. aber wenn die vertreter davon nicht kommen, können wir auch nichts dafür.

auch glaube ich nicht, dass “die echten cracks und großen der branche” (wer auch immer das jetzt genau sein soll) nicht gekommen sind, weil “einschränkende technikeuphorie (…) kurzsichtig und damit nicht die richtige richtung” ist. ich glaube viel mehr, dass diese nicht kommen, weil sie weiterhin ihr geld mit überteuerten seminaren und beratungen machen wollen – da wäre es ja schlecht, wenn andere/neue sehen, wie das geht.

social media ist definitiv ein schritt in die richtige richtung – und das sage ich nicht, weil ich technikeuphorisiert bin. natürlich – ich fahre voll darauf ab – aber weiß auch, dass es nicht der einzige weg in die zukunft ist. es wird einen immer größeren teil ausmachen und wenn man sich nicht rechtzeitig damit beschäftigt, verschläft man es und kann nur von außen beobachten. und ich will später nicht zu einem dieser beobachter gehören müssen!

Author: schneeengel

Journalist - Blogger - Radiomoderator - Student

4 thoughts on “Tourismuscamp 2010 – ein erster rückblick #tc10”

  1. hallo schneeengel. ich werde das nächste mal kommen, wenn der termin nicht mit einem anderen wichtigen termin in der branche kollidiert wie zb für mich die cmt messe in stuttgart. das hätten die tourismuscamp organisatoren bedenken können. wenn sie es nicht tun, dann müssen sie sich nicht wundern, dass die praktiker nicht kommen.

    dank der eingesetzten mittel gab es aber genug infos und streams, twitter einträge über hashtag leicht zu sortieren, dass ich sagen kann, meine meinung ist nicht unbegründet. beim durchlesen deines artikels gehe ich davon aus, dass du nicht von der touristik leben musst, denn dann wären einige argumente von mir für dich greifbarer. dann werden die probleme verständlicher, wenn man materiell davon abhängt, ob ein twitter beitrag umsatz bringt oder nicht. ich kann deutlich sagen, dass der kommerzielle erfolg wesentlich grösser ist, wenn eine ausgebildete und erfahrene expedientin (reisebürokaufkraft) gut berät. die ersetzt mit einem satz glatt 10.000 twitter einträge oder hotelbewertungen / fb äusserungen, wenn sie gut ist.

    hier, auch im tc10 sind noch viele irrmeinungen und behauptungen im spiel, die ein fachmann leicht entzaubern kann. im übrigen lehne ich social media als marketinginstrument nicht ab, wenn ich aber in der touristik branche überleben muss, vertraue ich auf den kompletten mix mit allen marketingmassnahmen. social media ist ein hype mit einer menge heisser luft. umsätze und professionelle betriebe lassen sich ausschliesslich darauf stützend nicht erfolgreich führen. und auch in vielen weiteren jahren nicht. dazu kenne ich die branche gut genug.

    deswegen werde ich selbstverständlich die sache interessiert verfolgen. aber nicht nur die vorteile, auch die gefahren (überwachung, machtkonzentration in händen anderer) sehen, die andere nicht sehen wollen.

    viele grüsse, bernd

    ps: gibt es dir nicht zu denken, dass so wenige “betroffene” da waren? glaubst du wirklich, dass es allein daran liegt, dass nur der “nutzen noch klarer ” gemacht werden muss? das glaube ich nicht!

  2. nein, ich lebe (noch) nicht von der touristik. ich mache das, was ich bis jetzt mache auf einer völlig freiwilligen und unbezahlten basis – und ich finde trotzdem die zeit dazu! und ich glaube von mir behaupten zu können, dass ich das so schlecht gar nicht mache.

    ich finde nicht, dass jeder tweet umsatz bringen muss. das ist völlig utopisch. ich finde, ein guter twitter-account ist in der heutigen zeit ein gutes aushängeschild in der online-welt – gute werbung.

    zum thema “expedientin”: ein online-bucher wird aber nicht in ein reisebüro gehen. der bucht online. und der holt sich seine buchungsentscheidung zu einem großen teil aus user-generated-content. und warum sollte ich auf die online-bucher verzichten wollen?

    und niemand hat je gesagt, dass ein hotel nur noch auf social media setzen sollte. ganz im gegenteil. was du mit dem mix sagst ist komplett richtig. beim tourismuscamp ging/geht es halt vermehrt um den einsatz von social media. warum? ich denke, weil einfach die idee der barcamps aus dieser szene kommt und dadurch schnell die geeks und webaffinen anzieht.

    frage zum schluss: warum waren denn deiner meinung nach so wenig hoteliers vor ort?

  3. die tourismusbranche sind nicht nur die hoteliers. es sind reedereien, fluglinien, reiseveranstalter, incoming agenturen, reisevermittler (reisebüros), destinationen und unterhaltungsindustrie (teilweise).
    auch diese teilnehmer sind auf dem tc10 nicht oder nur äusserst dünn vertreten gewesen. jeder dieser teilnehmer hat ganz unterschiedliche probleme. hier geht es um geschäft mit umsätzen im mehrstelligen millionenbereich. social media bietet im moment kein offensichtliches geschäftsmodell in dieser beziehung.

    zum thema expedientin: da fehlt dir leider der sicht der praktischen erfahrung. wir haben internet booking engines im einsatz, aber auch im büro menschliche ansprechpartner (expedienten). die kunden ziehen expedienten einer anonymen buchungsmaske vor, weil vertrauen, sicherheit und ein ansprechpartner für kunden sehr wichtig sind. so die realität.

    grüße aus stuttgart
    bernd

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