Ossi Urchs beim #prtag10 – “lern to listen!”

schneeengel

nachdem ich bei der keynote von ossi urchs beim diesjährigen pr-tag des prva war, hatte ich dank markus noch die gelegenheit ein kleines interview mit ihm zu machen und auch so noch ein bisschen zu reden. ich muss sagen, er hat mich beeindruckt. aber ich glaube nicht nur mich, auch viele andere teilnehmer.


der @ossiu ist ein sehr sympathischer und lustiger Digital Immigrant, da könnten sich ein paar Natives was abschneiden 🙂 #prtag10less than a minute ago via Echofon


auch wenn ich glaube, dass er den einen oder die andere mit seinen ideen und wissen auch ein bisschen “überrannt” hat. aber ich hoffe viele der pr-fachleute, die gestern da waren, werden sich das eine oder andere zu herzen nehmen.

eine der vielen botschaften, die urchs im gepäck hatte, war: “jeder kommunikator muss lernen wieder mit menschlicher sprache zu sprechen!” und ja, wie oft stoße ich in pressemitteilungen oder pr-artikeln auf dieses typische “marketingsprech”. hochgestochene sprache, vollgepackt mit fremdwörtern oder “insiderwörtern”. ich kann mir dann immer nur schwer erklären, was damit ausgedrückt werden soll. aber auch so manch ein journalist hat da glaub ich oft den drang, höchst intelligent zu wirken, in dem er besonders geschwollen schreibt. mir wurde das beim radio “ausgetrieben” – “schreiben fürs hören”, der radiozuhörer kann nicht zurückblättern. der zeitungs- oder magazinleser kann das zwar, ich finde aber trotzdem, dass sich darauf nicht immer berufen werden sollte. warum muss ich meinem leser das zumuten, wenn es auch einfacher ginge? etwas widersprüchlich zu seiner botschaft war zwar der titel seiner präsentation “paradigmenwechsel: veränderung der medien und der kommunikation in der digital vernetzten welt” – aber das verzeih ich ihm jetzt einfach mal.

im interview, was ich nach seinem vortrag mit ihm gemacht hat, hab ich ihn gefragt, wie man seiner meinung nach diese marketingsprache aus den köpfen bekommt? twitter! er hätte beobachtet, wenn man den betroffenen sagt, sie sollen ihre botschaften doch einfach mal twittern, würden sie sehr schnell feststellen, dass ihre sprache nicht funktioniert oder verstanden wird. sie müssten “einfacher” sprechen. nämlich so, wie sie es jedem auf der straße erklären würden. ein netter ansatz meiner meinung. “twitter als sprachtherapie”…

allgemein ist dieses web 2.0 (oder social web oder wie auch immer man es bezeichnen möchte) für ossi urchs keine neue technologie. auch kein neues geschäftsmodell an sich (natürlich kann es in ihm neue modelle geben, aber auch die alten funktionieren durchaus auch dort). es ist auch kein “designtrend”, wie viele am anfang dachten. “web 2.0 ist im wesentlichen ein lifestyle”. ein lifestyle den die so genannten “digital natives” leben. jetzt lässt sich wahrlich darüber streiten, ob es diese digital natives (und deren gegenstück die “digital immigrants”) wirklich gibt und wenn ja, wie man sie definiert.

kurzer exkurs: ich hab mich übrigens zufällig in den letzten wochen selbst mit den so genannten digital natives und digital immigrants in meiner seminararbeit “digital natives, cybersex und emoticons” beschäftigt. wer es nachlesen möchte, die seminararbeit gibt’s hier kostenlos als pdf zum download.

zurück zum thema: es lässt sich aber definitiv nicht darüber streiten, dass sich das ganze kommunikationsmodell mit dem internet – und in dessen folge auch mit dem social web – verändert hat. das klassische sender-empfänger-modell wurde gesprengt, der empfänger kann nun auch sender sein. und “die digital natives sind die kunden und mitarbeiter von morgen” – oder sogar schon von heute? die beziehungen zwischen herstellern/produzenten und nutzern werden immer enger und: “wir sind keine zielgruppe – wir sind menschen. kommt endlich damit klar!”. dem ist nichts hinzuzufügen.

das internet vereint alle kommunikationsmöglichkeiten der “alten” massenmedien und macht es somit zum “hypermedium”. es ist nicht mehr ein massenmedium nach alter definition, es ist für urchs viel mehr “das schweizer messer kommunikation”. es ist dabei nicht entscheidend, wie viel wissen in einer gemeinschaft versammelt ist. was die eigene community nicht beantworten kann, wird eine andere beantworten. es ist auch nicht wichtig, wer im besitz des wissens ist, weil es immer untereinander ausgetauscht werden kann. viel interessanter ist die methode des wissenerwerbs. “die alten einbahnstraßen tragen uns heute nicht mehr”, die karten für alle an der kommunikation beteiligten werden neu gemischt. es beginnt ein völlig neues “spiel”. eine neue macht der kunden und konsumenten ist entstanden. unternehmen werden gezwungen, sich selbst durch die kundenbrille neu zu sehen.

und der kunde selbst kann zu einem integralen bestandteil des geschäftsmodells werden. sie apples appstore oder die apps für facebook. der kunde übernimmt hier für das unternehmen arbeit. entwickelt programme, stellt sie anderen zur verfügung. das unternehmen brauch diese nur noch zu verwalten. auch die so genannte “free-kultur”, die immer gern im zusammenhang mit dem namen “internetkultur” fällt, ist nicht der untergang für ein unternehmen, sondern kann auch ein sehr einbringendes geschäft sein – siehe google oder auch itunes, ein kostenloses programm, das inzwischen eigentlich auf (fast) jedem computer zu finden ist.

zwar gibt es immernoch viele die meinen, die massenmedien bleiben auch die nächsten 50 jahre noch “leitmedien” und werden auch durch dieses internetz nicht bedroht, doch sollte man sich darauf nicht verlassen. die mediennutzung ist im wandel. natürlich hat das fernsehen und die zeitungen immernoch riesen marktanteile und erreichen auch viele, aber gerade bei kindern und jugendlichen – also der generation, die von anfang an mit dem internet aufgewachsen ist – ist eine neue art der mediennutzung festzustellen. die traditionellen massenmedien werden zu nebenbeimedien. der fernseher läuft nur noch nebenbei – es ist viel interessanter, ob es nicht bei facebook einen neuen kommentar gibt, ob nicht ein freund gerade bei skype, icq, live messenger etc. online kommt oder ob es nicht ein neues lustiges video bei youtube gibt. es wird nicht mehr darauf gewartet, dass etwas neues präsentiert wird, im notfall wird es einfach selbst produziert.

zum abschluss hatte ossi urchs noch einen wertvollen tipp für die tägliche arbeit: “monitor – comment – post”, das sollte jeder kommunikator in der heutigen zeit beherrschen. “lern to listen – lernen sie wieder zuzuhören!”. und: “lernen sie von den jugendlichen, den digital natives”.

wer die ganze keynote von ossi urchs sehen möchte, kann dies übrigens hier tun. die mitschnitte von der abschlussdiskussion gibt es auf dem prva-youtube-channel.

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