Livestreaming – die neue Sau. #periscope #meerkat

es gibt wieder eine sau, die durch die social media welt getrieben wird: livestreaming für jedermann/-frau. nachdem younow, snapchat & co. ja schon etwas länger durch die vor allem jugendliche welt geistern, sind mit meerkat und periscope zwei doch eher “erwachsene” apps dazu gekommen.

viele anwendungsmöglichkeiten

mit den beiden apps ist es möglich, schnell und einfach einen livestream auf die beine zu stellen. das einzige, was dafür gebraucht wird, ist ein smartphone und eine gute internetverbindung. anwendungsmöglichkeiten gibt es viele. ein blick hinter die kulissen, ein kurzer live-bericht von einem event, ein stadtrundgang, ein kurzes wetterupdate usw. da sind der kreativität natürlich keine grenzen gesetzt. redbull macht es zum beispiel bei periscope ganz nett und streamt kurze berichte von den vielfältigsten events, auch u2 hat gerade erst einen live-stream von ihrem konzert in los angeles bei meerkat zur verfügung gestellt – da waren auf einmal innerhalb kürzester zeit über 3.000 zuschauer dabei. oder man denke an den letzten “aufmerksamkeitssprung” für periscope, als ein bild-reporter live von der bombendrohung beim finale von germany’s next topmodel streamte. man stelle sich nur vor, der flugzeugabsturz im hudson river wäre nicht nur getwittert, sondern auch live bei meerkat oder periscope gewesen. von solchen – positiven oder negativen – sensationen abgesehen, sehe ich aber vor allem auch für den tourismus sehr viele möglichkeiten. mir würden da spontan einige ideen einfallen.

Stiegl-Periscope vom Schneefall
Stiegl-Periscope vom Schneefall in Salzburg

stiegl bei periscope & meerkat

auch für stiegl habe ich es jetzt schon ein paar mal ausprobiert, erst über meinen privaten account, dann auch über den stiegl-account selbst. da kommen zwar keine tausende zuschauer zusammen, aber ein paar hundert sind es doch. am besten lief übrigens der livestream mit einem blick aus dem fenster, als anfang april in salzburg noch einmal dicke flocken vom himmel fielen – aber das nur so am rande. wie auf allen anderen kanälen auch, ist stiegl auf periscope und meerkat unter “stieglbrauerei” zu finden. hier gibt es – bis jetzt – vor allem live-einblicke hinter die kulissen bei unseren videodrehs. aber auch livestreams von unseren veranstaltungen sind denkbar oder mal ein blick über die schulter des braumeisters beim einbrauen.

meerkat oder periscope?

vom umfang her sind beide apps eigentlich gleich. wobei periscope die schönere oberfläche hat. aber das ist wohl geschmacksache. letztendlich leben die apps von den leuten, die inhalte zur verfügung stellen. und das wird wohl auch der knackpunkt der apps werden. wer es schafft, die richtigen, namhaften livestreamer für sich zu gewinnen, der wird sich wohl am ende auch durchsetzen. die frage ist nur, welche von beiden apps wird am ende foursquare und welche gowalla? 😉

Sido bei meerkat
Sidos Stream aus dem Tourbus

sido bei meerkat

mein erstes wirkliches “erlebnis” mit einer der beiden apps war ein livestream von sido bei meerkat. er saß mit seinen “halben brüdern” beim sat.1 frühstücksfernsehen und öffnete in einer sendepause meerkat. es entstand ein wirklich lustiger livestream, bei dem er einen blick in den tourbus und hinter die kulissen vom frühstücksfernsehen gab. er stellte fragen an die zuschauer (wenn auch eher einfache wie “seht ihr uns?” oder “kann man das jetzt nur in der app sehen oder auch am pc?”) und forderte auf, dass wir zuschauer doch ein paar begriffe nennen sollen, die sie dann in der live-sendung gleich noch sagen müssen. und zum abschluss streamte er dann auch noch zufällig live, wie er mit seinem mikro einen deko-blumentopf aus versehen zu bruch brachte und wie sie es für die kamera wieder versuchten zu kaschieren.

die rechtliche seite

jede/r kann jetzt also livestreamen. das ist prinzipiell eine lustige und interessante geschichte. doch birgt sie auch rechtliche risiken oder stolperfallen. wie ist es zum beispiel mit den persönlichkeits- oder auch lizenzrechten? als medienmensch ist mir klar, was bei so etwas zu beachten ist. keine menschen filmen, die das nicht wollen zum beispiel. auch kann nicht so einfach ein event, wie ein fußballspiel live “übertragen” werden. schließlich gibt es (medien)unternehmen, die viel geld für exklusive (live)übertragungsrechte ausgegeben haben. oder was ist mit der gema bzw. akm, wenn musik im hintergrund läuft? weiß das “der gemeine user an sich” auch? macht er sich darüber überhaupt gedanken? muss man sich darüber gedanken machen? ich sehe schon die abmahnanwälte spalier stehen.

Livestream vom Fan vs. Livestream von U2
Links der Livestream vom Fan, rechts von U2

als konkretes beispiel braucht man sich nur u2 anschauen. okay, wenn sie es selbst machen, sollte es (je nachdem, wie sie ihre verträge ausgehandelt haben) kein problem sein. aber nur einen tag vorher bin ich über einen livestream einer privatperson gestolpert, die auch einen teil des u2-konzerts live über meerkat übertrug. (lizenz)rechtlich okay oder nicht?

wo kein kläger, da kein richter. aber was, wenn doch plötzlich ein kläger auftaucht?

wie sind eure erfahrungen mit meerkat, periscope und co? habt ihr schon welche? wie schätzt ihr die ganze geschichte ein? ein hype, der auch schnell wieder vorübergeht? oder ist es vielleicht doch der neue heiße scheiß, der sich durchsetzen kann? etwas, das im neuen kommunikationsmix mit eingeplant werden sollte?

#dontkilltwitpic – who cares?!

beim diesjährigen castlecamp in kaprun hatte ich den eindruck, dass sich mal wieder viel um die frage drehte, wohin sich social media und die einzelnen angebote entwickeln. und vor allem auch, wie man damit umgehen kann.

man kann sich z.b. darüber beschweren, dass facebook immer weniger organische reichweite zulässt, sich damit abfinden, die lücken des systems finden und sich zu nutze machen oder vielleicht sogar die nächste social media sau suchen, die man durchs dorf treiben kann.

unter anderem gab es auch eine session von günter über den einsatz von twitter als echtzeit-/storytelling-medium. am rande dieser session stellte er uns den von ihm ins leben gerufene hashtag “#dontkilltwitpic” vor. der grund: laut twitpic dreht twitter dem fotodienst aufgrund der namensähnlichkeit die api ab und damit ist twitpic geschichte. twitpic war mal ein sehr populärer dienst, der es vor allem in den anfangstagen von twitter ermöglichte, einfach tweets mit fotos/bildern zu versehen. besondere berühmtheit erlangte twitpic mit dem vor rund 5 1/2 Jahren abgestürzten flugzeug im hudson river. das bild und der dienst gingen um die welt. wobei ich glaube, dass die leute eher twitter mit dem foto in verbindung bringen, als twitpic.

jetzt ist nun also schluss mit twitpic und dadurch werden auch die seiten verschwinden, auf denen die einzelnen fotos abrufbar waren. gerade das bild vom flugzeug im wasser ist natürlich inzwischen zeitgeschichte und wertvoll. alle links auf dieses twitpic werden dann in zukunft ins leere laufen. das bild an sich wird deswegen aber denke ich nicht verschwinden. einerseits soll es laut twitpic noch die möglichkeit geben, alle seine bilder zu sichern, auf der anderen seite gibt es das besagte bild natürlich auch noch auf anderen seiten (ob diese verbreitung nun legal ist oder nicht, bleibt jetzt mal dahin gestellt). eine kurze suche auf google liefert genug quellen.

ich glaube aber, dass die schließung – oder der “untergang” – von twitpic weniger mit der sperrung der api zu tun hat. twitpic war (!) mal “der” dienst, wenn es um die fotoverbreitung auf twitter ging. twitpic hatte da mal ein alleinstellungsmerkmal. man konnte einfach, bequem und schnell fotos machen und diese über twitter verbreiten. inzwischen gibt es eine vielzahl an diensten, die so etwas können und auch twitter selbst ermöglicht es seit geraumer zeit. der derzeit populärste service ist da wohl ganz klar instagram. ein manko von twitpic ist, dass ich das foto dann auch wirklich nur auf twitter veröffentlichen kann. ich kann es nicht auf facebook posten, nicht auf tumblr, flickr etc. (was z.b. instagram ermöglicht).

ich habe mein letztes bild auf twitpic vor fast genau drei jahren veröffentlicht. seit vier jahren verwende ich hauptsächlich schon instagram für meine iphone-bilder – ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, warum ich da ein jahr lang noch parallel gefahren bin. weil mir instagram da einfach mehr geboten hat und auch immer noch bietet. natürlich werde ich die chance nutzen und meine twitpics sichern, aber ich werde dem dienst nicht nachweinen.

 

für alle, die’s interessiert: das erste instagram-foto von @schneeengel vom 14.10.2010 sah übrigens so aus:

 

 

die wichtigste erkenntnis aus der schließung von twitpic ist (wieder einmal), dass wir uns bewusst sein müssen, wie sehr wir uns in der digitalen zeit an bestimmte dienste “binden” und uns von diesen abhängig machen können. ein dienst schließt und die inhalte laufen gefahr, für immer verloren zu gehen. auch wenn man immer so schön sagt, “das internet vergisst nie”. wenn facebook von heute auf morgen dicht macht, sind die inhalte dort verloren. egal wie viel liebe, kreativität, arbeit und geld da rein gesteckt wurden.

 

p.s.: lieber günter, bitte entschuldige die ketzerische überschrift. ich finde es natürlich gut, auf gewisse missstände hinzuweisen und schätze auch dein engagement, andere leute zu mobilieren, dagegen etwas zu unternehmen! der link auf dem bild zu der kampagne führt übrigens ins nichts. oder ich hab mich verschrieben. 😉

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum: Auch hier gelten die Grundrechte!

Artikelbild von Daniel Weber (Quelle: flickr.comCC BY-NC-SA 2.0)

lange war’s still hier im blog. zu lange. leider. das hatte mehrere gründe: neuer job, umzug und auch fehlende motivation. doch es hat sich etwas geändert! den job hab ich immer noch (und bin auch immer noch sehr zufrieden damit), aber umgezogen bin ich inzwischen (wenn auch noch nicht komplett eingerichtet) und vor allem habe ich einen richtigen motivationsschub bekommen.

vielleicht könnt ihr euch noch daran erinnern, dass mich jemand angezeigt hat. unter anderem wegen beleidigung, “tatörtlichkeit: internet“. die ganze geschichte hat sich nun sehr lang hingezogen. während dieser zeit standen einige – aus meiner sicht – völlig unhaltbare aussagen im raum. es wurden tatsachen verdreht falsch interpretiert und teilweise sogar falsche informationen gestreut. vielleicht um einfluss auf den verlauf des verfahrens zu nehmen.

unter anderem wurden zum beispiel ereignisse in falsche zeitliche kontexte gesetzt, um mich möglicherweise vor der amtsanwaltschaft im falschem licht darzustellen (stichwort onlineshop “pro juk/jpr”). außerdem wurde auf der fh joanneum – meiner ausbildungsstätte – das gerücht gestreut, gegen mich wäre ein strafbefehl erlassen worden, der mich zu einer geldstrafe (eben wegen der angezeigten beleidigungen etc.) verpflichten würde. dieses gerücht wurde bis in den aufsichtsrat, den betriebsrat und die geschäftsführung weiter getragen. zwar ohne konkret meinen namen zu nennen, aber das ich gemeint war, hätte prinzipiell allen beiteiligten klar sein müssen.

es gab natürlich keinen erlassenen strafbefehl! es gab einen antrag auf erlass eines befehls – gestellt von der amtsanwaltschaft berlin -, mehr aber nicht. und diesem antrag hat der zuständige richter widersprochen!

im groben gesagt (amtssprache ist wie ihr wisst nicht immer das leicht verständlichste) ist der richter der auffassung, dass die von mir getätigten aussagen von der meinungs- und pressefreiheit gedeckt sind. ich hätte weder einen ehemaligen lehrenden der fh beleidigt, noch verleumdet, noch übel nachgeredet, noch eine schmäh-kritik verfasst. ich hätte nicht wider besseres wissens unwahres behauptet oder ehrverletzende aussagen getätigt.

unter anderem wurde mir zum beispiel vorgeworfen, mit folgendem kommentar (den ich unter einen online-artikel als antwort auf einen anderen kommentar gegeben hatte) würde ich die ehre eines ex-lehrenden der fh verletzen:

“da sehen sie mal, wie wenig ich bei dem lehrenden, der inzwischen nicht mehr lehrender ist, journalistisch gelernt habe”

hierbei handelt es sich, so der richter, um eine “bloße meinungsäußerung” betreffend meines eigenen lernfortschrittes. damit macht er deutlich, dass es studenten möglich sein muss, sich (welt-)öffentlich über den eigenen lernfortschritt zu äußern, ohne damit jemanden in seiner ehre zu verletzen.

“das internet ist kein rechtsfreier raum!”, hört man so gerne immer in solchen zusammenhängen. richtig – und das ist auch gut so! denn gerade dann gelten auch grundrechte wie die meinungs- und pressefreiheit.

erschreckend an der ganzen geschichte finde ich allerdings immer noch, von wem ich angezeigt wurde: von einem meiner ehemaligen lehrenden! jemand, der anderen journalistisches handwerkszeug beibringen will. jemand, der von pressefreiheit redet – sie aber offensichtlich einschränken will, wenn es dabei um berichte über ihn geht. jemand, der inzwischen eine eigene firma betreibt, die unter anderem “know-how zu medienpraktischen fragen” vermitteln will. eine firma auf dessen homepage zu lesen ist, sie sei ein “loyaler” und “objektiver” partner und von “medialer zukunft” spricht.

ich kann gar nicht oft genug sagen, wie froh ich bin, dass der richter mit dieser entscheidung meine meinung teilt. und: das ergebnis zeigt, dass es sich lohnt, für seine rechte zu kämpfen und sie zu verteidigen. ich hoffe andere studenten nehmen diesen vorfall als beispiel. es zeigt, dass man sich von klageandrohungen nicht abschrecken – und vor allem nicht einschüchtern – lassen sollte. nichts desto trotz wünsche ich natürlich keinem studenten, jemals in so eine situation zu geraten.

auch als student – oder blogger – hat man die selben rechte, wie jeder andere auch. und nur, weil das gegenüber ein professor, lehrender oder was auch immer ist, muss das nicht heißen, dass er alles (besser) weiß. wenn ihr euch ungerecht behandelt fühlt, dann macht den mund auf und sagt es. wichtig ist dabei, dass ihr objektiv bleibt und bei aussagen immer daran denkt, dass ihr diese im fall der fälle auch beweisen bzw. belegen müsst. lasst euch nicht zu emotionalen statements hinreißen. bleibt ruhig. veröffentlicht solche blogpost, tweets (u.ä.) nicht sofort. lest noch mal drüber, lasst andere gegenlesen, schlaft noch einmal eine nacht drüber. und wenn dann wirklich eine anzeige ins haus flattert: nehmt euch einen anwalt und beratet euch mit ihm darüber. wenn ihr lediglich eure meinung geäußert habt, habt ihr auch nichts zu befürchten (auch keine anwaltskosten, denn die trägt in so einem fall wie meinem, der staat bzw. das land).

die widerspruchsfrist gegen diesen richterspruch ist bereits verstrichen. ich habe seitdem nichts mehr aus berlin gehört. somit ist die ablehnung des strafbefehls – meinem kenntnisstand nach – rechtskräftig.